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Abb.: Zwischenschritte und Rohlinge in der Glas-Kunstaugenfertigung


Jedes Auge ein Unikat: Die Kunst der Glas-Kunstaugenherstellung

Ein traditionsreiches Würzburger Spezialunternehmen gibt Einblicke in seine Fertigung.


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Unter den Begriffen „Kunstauge“, „Augenprothese“ oder schlicht „Glasauge“ versteht man eine Prothese, welche nach Verlust des natürlichen Auges getragen wird. Das heute bekannte Kunstauge aus Spezialglas wird in dieser Art seit 1835 hergestellt - auf Anregung des Würzburger Medizin-Professors Adelmann. Seither hat man die zur Anfertigung verwendeten Glasarten in ihren Eigenschaften stetig weiterentwickelt. Muss ein Auge (aufgrund von Verletzung oder Krankheit) entfernt werden, so werden die verbleibenden Muskeln vernäht und mit Bindehaut „überzogen“. Dadurch bedingt ist die Größe der Orbita (Augenhöhle) reduziert, so dass ein Kunstauge immer nur eine Halbkugelform besitzt.
Da sich bei jedem Betroffenen die Orbita in ihrer Form unterschiedlich ausbildet, muss jedes Kunstauge individuell für die jeweilige Person angefertigt werden. Daher ist die Anfertigung eines Kunstauges nur in Handarbeit zu bewerkstelligen. Mit Hilfe eines Spezialbrenners werden nacheinander die Iriszeichnung und die Aderung der Lederhaut nachgebildet. Wenn diese Arbeitsschritte abgeschlossen sind, erhält das Kunstauge seine jeweilige Form.
Ein Kunstauge hat nicht nur eine kosmetische (und damit auch eine psychologisch wertvolle) Funktion, sondern es dient dem Schutz der leeren Augenhöhle und beugt so möglichen chronischen Infektionen vor. Besonders wichtig ist die Versorgung mit einer ideal sitzenden Augenprothese bei Kindern. Durch den fehlenden Augapfel würde das Wachstum der Orbita unzureichend stimuliert. Die unvermeidbaren Folgen wären Asymmetrien im Bereich des Gesichtsschädels. Bedingt durch die jeweilige Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit und mögliche Umwelteinwirkungen altert im Laufe der Zeit die Oberfläche des Kunstauges, so dass in gewissen Zeitabständen eine Neuanfertigung nötig ist.

Exponate, Fotos und Fachinformationen mit freundlicher Unterstützung der Firma Hellbach, Würzburg.


Hier können Sie sich durch die Arbeitsschritte der Kunstaugenherstellung klicken.


 

Weitere interessante Exponate und Hintergrundinformation finden Sie in der Ausstellung.


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Abb.: Präsentationsschatulle mit unterschiedlichen Glas-Kunstaugentypen

Museumswebsite gefördert durch:

Landesstelle für die nichtstaatlichen Mussen in Bayern
Bayerische Sparkassenstiftung